Vorsicht vor Abzocke im Alltag
Ist es nicht ein Armutszeugnis für die Menschheit, dass dubiose Firmen mit uns immer mehr Geschäfte machen? Das Problem besteht darin, dass viele nicht ahnen, dass sie von einem skrupellosen Profi gelinkt werden. Diese Firmen bringen mit zweifelhaften Methoden ihre potentiellen Kunden dazu, Verträge abzuschließen, die oft einen ganzen Rattenschwanz an Problemen mit sich ziehen – sogar unter Verstoß von Gesetzen und Verbraucherschutzvorschriften.
Ob per Telefon, SMS, Post oder im Internet – überall lauern die Abzockfallen. Hier ein Klassiker: „Sie haben gewonnen! Rufen Sie diese Nummer an…“ – hinter diesen Nummern wartet meist kein Geldgewinn, sondern eine Endloswarteschleife mit einer Sondervorwahl, für die Sie teuer bezahlen.
Auch Einträge in online-Branchenbücher sind mit Vorsicht zu genießen. Bei der Suche nach einem Eintrag einer Firma stellt sich häufig heraus, dass man nicht nur den Namen der Firma in die Suchfunktion eingeben muss, sondern auch die komplette Anschrift, was letzten Endes wenig Sinn macht. Für solche nutzlosen Dienstleistungen werden dem ahnungslosen Kunden gerne bis zu 300 Euro im Jahr berechnet.
Anders werden Fallen im Internet gestellt. Wenn Sie auf einer Internetseite dazu aufgefordert werden Ihre Anschrift zu hinterlassen, sollten Sie
alarmiert sein. Denn das Interesse an Ihren Daten macht den Anbieter der Website äußert fragwürdig. Oft überlesen wir Kleingedrucktes, oder sparen uns die AGB, zu denen die Macher der Seite verpflichtet sind. Es scheint so, als ginge alles mit rechten Dingen zu. Wer sich allerdings den Klick auf die allgemeinen Geschäftsbedingungen spart, bekommt nicht mit, dass er bereits für die Registrierung bezahlt und sitzt somit in der Falle. Doch
was tun, wenn man in einer solchen Lage ist? In der Regel kann man innerhalb 14 Tagen schriftlich vom Vertrag zurücktreten, dank dem gesetzlichen Widerrufsrecht. Um das zu erfahren, muss man jedoch erst die AGB gelesen haben.
Manche „Abzocker“ verschicken per Post oder E-Mail erfundene Rechnungen. Wer diese nicht bezahlt, erhält Mahnschreiben und einschüchternde Briefe von Inkassounternehmen, sowie von Rechtsanwälten. Viele der Betroffenen bezahlen, aus Angst vor Gerichtsvollziehern und weiteren gesetzlichen Instanzen. Dubiose Firmen besorgen sich von Datenhändlern Namen, Adressen, Telefon- und Kontonummern und gaukeln Verbrauchern am Telefon vor, sie würden an einem Gewinnspiel teilnehmen. Mit der Teilnahme wird dem Angerufenen ohne Einwilligung oft Geld vom Konto abgebucht. Die Bank
kann das Geld sofort zurück buchen, die Betrüger spekulieren jedoch, dass Sie Ihre Kontoauszüge wenig sorgfältig kontrollieren und unentdeckt bleiben.
Doch warum gelingt es diesen skrupellosen Firmen, sich an uns zu bedienen wie an einer fetten Weihnachtsgans? Meistens werden wir unerwartet in
einer privaten Situation, oder zu unchristlicher Uhrzeit angerufen, der Anrufer bedient sich der Überrumpelungstaktik. Am Telefon ist der Gesprächspartner, wenn er es richtig anstellt, freundlich und säuselt Ihnen das Blaue vom Himmel herunter. Sie als Angerufener können in der kurzen Zeit keine Preise und Angebote vergleichen und kaufen im Zweifelsfall sprichwörtlich die Katze im Sack. Diese Art von Verkauf ist für Anbieter
besonders lukrativ, da sie mangelhafte Dienstleistungen an den Mann bringen, die keiner Konkurrenz standhalten könnten, mindere Qualität besitzen, nicht dem entsprechen, was am Telefon angepriesen wurde und oft kaum Nutzen für den Verbraucher haben.
Es ist schwer zu erkennen, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Seriöse Firmen in der online-Branche haben es sichtlich schwer, sich auf den ersten Blick von schwarzen Schafen zu unterscheiden. Die Menschen lernen am Besten aus einem Fehler, wenn er richtig weh tut. Am verletzlichsten sind viele von uns, wenn es um das eigene Geld geht und nur das interessiert die Betrüger.
Doch wie schützt man sich gegen diese Art von Betrug?
- am Telefon erkundigen, mit wem man es zu tun hat (Firma, Adresse, Name des Anrufers)
- dem Anrufer immer mit einem gesunden Misstrauen begegnen
- NIEMALS Kontodaten am Telefon, oder im Internet preisgeben
- Kontoauszüge regelmäßig kontrollieren
- keine Vertragsabschlüsse am Telefon machen, ein seriöser Anbieter sichert sich rechtlich mit Ihrer Unterschrift ab und schickt Ihnen Verträge per Post zu
- AGB und Kleingedrucktes sorgfältig lesen
- Firmen im Internet z. B. via Google recherchieren (eventuell existieren bereits Foren, in denen vor dieser Firma gewarnt wird)
- falls Interesse an einem angepriesenen Produkt besteht, evtl. Informationsmaterial, oder Angebot schriftlich anfordern
- wenn kein Interesse an einem am Telefon angebotenen Produkt besteht, das Gespräch kurz und schmerzlos beenden
- für nichts bezahlen, was Sie nicht ausdrücklich bestellt haben und Einspruch erheben
- Widerruf per Post immer mit eingeschriebenen Brief versenden
Von Verbraucherschützern und Politikern wurde bisweilen gefordert, die so genannten Cold-Calls zu verbieten, was sich politisch jedoch nicht durchsetzen lies. Am 04.08.2009 trat ein Gesetz in Kraft, das bedingt schützt. Unverlangte Werbung wertet seitdem der Bundesgerichtshof als Verstoß gegen die guten Sitten im Wettbewerb oder gar als unzulässigen Eingriff in das Persönlichkeitsrecht der umworbenen Privatpersonen. Verstöße gegen unverlangte Werbeanrufe werden mittlerweile mit bis zu 50.000 Euro geahndet. Als Ordnungswidrigkeit gelten auch Werbeanrufe mit unterdrückter Nummer.
Diejenigen, die Betrügern bereits ins Netz gegangen sind, sollten einen Rechtsbeistand hinzuziehen. Erschlichene Geldforderungen dubioser Anbieter sind wegen mangelnder Beweise meist nichtig, auch die Verbraucherschutzzentrale rät „Rechnung nicht zahlen“. Bei unerlaubten Abbuchungen von Ihrem Konto ist es ratsam Anzeige wegen Betrug zu erstatten.
Die Tendenz der Werbeanrufe geht trotzdem vermehrt dahin, Verkaufsabschlüsse per Telefon zu erzielen. Callcenter scheren sich kaum darum, dass sie mit rechtswidrigen Praktiken Ihre Brötchen verdienen, es handelt sich angeblich um einen boomenden Wachstumsmarkt. Daher ist uns allen Vorsicht geboten, ob Privatpersonen oder Geschäftsleute, denn der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.
